Aus einem taz-Artikel mit dem Titel "Arbeiterkind bleibt Arbeiterkind" von November:

"Nach einer Studie des Hochschulinformationssystems (HIS) sind nur 33 Prozent der Stipendiaten und Stipendiatinnen Arbeiterkinder, wie Nichtakademikerkinder auch genannt werden. Das sind Zahlen von 2008, aber Recherchen der taz haben ergeben, dass die Stipendien im Schnitt unverändert sozial ungleich verteilt sind."

"Zum Vergleich: Nach Zahlen des aktuellen Bildungsberichts der Bundesregierung hat bei immerhin 47 Prozent der Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen keiner der beiden Elternteile einen akademischen Abschluss. Aber auch damit sind Nichtakademikerkinder an den Universitäten und Fachhochschulen unterrepräsentiert: Ihr Anteil an der gesamten Altersgruppe liegt bei 72 Prozent."

"Nach den Zahlen reproduzieren die meisten Stiftungen nicht nur die soziale Ungleichheit, sondern verstärken sie unter ihren Geförderten weiter."

Und dazu noch diese hübsche Graphik aus demselben Artikel:

"In der Grafik ist die Hans-Böckler-Stiftung irrtümlicherweise nicht aufgeführt). [Sie] kommt auf 58 Prozent."

Erinnert mich an das Werk Die Illusion der Chancengleichheit von Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron aus den 70ern. Darin wurde die These aufgestellt, dass das Bildungswesen soziale Ungleichheiten und Klassenprivilegien nicht etwa abbaut, sondern sie erhält, indem es den Anschein vermittelt, dass alle die gleichen Chancen hätten. Die Auslese aufgrund allgemeiner Leistungskriterien ist aber nach Bourdieu und Passeron ein Schein, denn die höhere Bildung setzt immer schon die Beherrschung kultureller Techniken voraus, die vor allem jenen von Kindesbeinen an mitgegeben wird, deren Eltern bereits Akademiker*innen sind. Die Forderungen nach mehr sozialer Teilhabe werden so durch eine vermeintliche Meritokratie beantwortet - wer sich anstrengt, kann aufsteigen -, die aber de facto eine Aristokratie reproduziert.

"Da das System nicht explizit liefert, was es verlangt, verlangt es implizit, daß seine Schüler bereits beherrschen, was es nicht liefert: eine Sprache und Kultur, die außerhalb der Schule durch unmerkliche Familiarisierung gleichzeitig mit der entscheidenden Einstellung zur Sprache und Kultur ausschließlich auf diese Weise erworben werden kann."

Ein Aspekt davon wird auch in dem taz-Artikel aufgegriffen:

"Die Stiftungen wenden drei Kriterien an: Begabung, Persönlichkeit und gesellschaftliches Engagement. [...] Hinter vorgehaltener Hand sagen einige Vertreter der Stiftungen, dass unter 'Engagement' zu lange einseitig deren bildungsbürgerliche Variante belohnt wurde. Zugespitzt sind etwa die Klassiker im linksliberalen Bürgertum eine Mitgliedschaft bei Amnesty International, das Mitmachen in der Theater-AG der Schule und nach dem Abitur ein Jahr Entwicklungshilfe in Afrika, für die meistens sogar noch Geld bezahlt werden muss. Kinder aus Arbeiterhaushalten haben meistens gar nicht das Kapital."